Mitteltonhorn

Wer ein Mitteltonhorn mit einem professionellen Kompressionstreiber sucht, welches ab 500 Hz verwendbar UND hoch belastbar ist, der sollte schon mal den Füllstand seines Kontos überprüfen. Unter 500 euro pro Kanal läuft hier praktisch nichts.

Ohne ein Mitteltonhorn ist man aber dem Schalldruck eines Basshorns nicht gewachsen.

Was tun ?

Es gibt eine alternative Bauweise. Wir greifen zu einem 8 Zoll PA Konusmitteltöner, setzen diesen in eine kleine geschlossene Box und flanschen vorne ein selbstgebautes, selbstberechnetes Exponentialhorn an.

Das Endergebnis:

(Auf Grund mehrerer Nachfragen: Der Hochtöner ist ein Beyma CD-140 Kompressionstreiber, 2", mit einem Visaton MHH 16.22 Aluminiumgusshorn.)

Die Ausführung:

 

Die Berechnung:

Das Horn hat folgende Daten:

Halsfläche A hals =107 cm²

Mundfläche A mund=825 cm²

Länge x max = 17 cm

Untere Grenzfrequenz fu = 340 Hz

Trichterkonstante k  = 12,34

Schalldruckgewinn delta P = +9 dB

8 Zoll Lautsprecher: Speaka CPA 8-100 mit 50mm Schwingspule und 96 dB/W/m 

Schalldruck mit Horn = 105 dB/W/m

Das Horn ist mit meinem Excel Berechnungsprogramm in der Rubrik "Akustische Berechnungen" gerechnet worden.

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Die Kernfunktionen, die im Programm "verbaut" sind, lauten hierbei:

Hornquerschnittsfläche A(X)  als Funktion von Hornlänge x:

A(x) = A hals * e ^ (k * x)

Die Gesamtlänge x max der Horns:

x max = (1/k) * ln (A mund / A hals)

Die Trichterkonstante k des Horns:

k = (4 * Phi * fu grenz) / c

wobei fu grenz die untere Grenzfrequenz des Horns ist und c die Schallgeschwindigkeit in Luft; also 344 m/s.

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Die Hornkontur besteht aus 9 Schichten 18mm MDF.

Der Hornmund: B=500mm H=162mm

Der Hornhals: B=65mm H=162mm

Der Hornhals weist übrigens die halbe Fläche auf wie die eff. Membranfläche des Lautsprechers. Der Lautsprecher ist also komprimierend eingebaut.

Die Druckkammer ist einfach hinten am Horn angesetzt und hat die lichten Innenabmessungen: 219x219x150mm. Der Lautsprecher sitzt also in einem geschlossenen 7 liter Gehäuse.

Da die Sandwichkonstruktion nahezu massiv ist (Pro Horn ca. 1m² Holz !) ist sie ziemlich schwer, aber dafür im Gegensatz zu käuflichen Kunststoffhörnern (Froschtöner: !>>quäääk<<! ) nahzu vollständig frei von Eigenresonanzen, welche den Klang massiv verschlechtern.

Im direkten Hörvergleich zu einem Kunststoffhorn ist das Teil um Welten besser (und billiger). Uns sehr stabil. (((Aber es steht kein klasse Markennamen drauf, und es gibt keinen Hochglanzprospekt dazu)))

Natürlich lässt sich das Horn auch bei entsprechender Vergrösserung auch für noch deutlich tiefere untere Grenzfrequenzen auslegen, und für andere Treiberdurchmesser.

Wer z.B. mit dem Gedanken spielt ein Eckhorn zu betreiben, der könnte ein solches Horn für einen 8" oder 10" Treiber berechnen, das bei einer Trennfrequenz von etwa 200 Hz übernimmt....

 

Viel Erfolg beim Nachbau wünscht...

Jochen

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