Beschreibung

ACROSOUND 6-50 Monoblöcke

Der Acrosound 6-50 Amp basiert auf einem Schaltungsvorschlag, der vor ca. 40 Jahren von der Firma ACROSOUND (welche damals hochwertige Ausgangsübertrager herstellte) publiziert wurde.

Es handelt sich um einen Ultralinear Class A  PP Verstärker mit Gegenkopplung über alles. Dem Schaltungskonzept nach ist der Amp als „Williamson-Schaltkreis“ einzustufen. Was heißt 6-50 ? 6 Röhren, 50 W sin.

Vorstufe und Phasensplitter sind mit 2 x 6SN7 realisiert. In der Endstufe 4xEL 34 pro Kanal in Class A Betrieb mit Autobias durch Kathodenwiderstände.

Der Verstärker enthält keine Potis und erfordert keine Abgleicharbeiten oder Einstellarbeiten („Bias“). Er ist leicht nachzubauen und arbeitet stabil und zuverlässig.

Da es sich bei diesem Amp um einen ziemlich dicken Brummer handelt, ist es nicht ratsam das Gerät als Stereogerät auf einem Chassis aufzubauen. Ein Mono wiegt satte 18 kg.

So ein Riesending mit nur 50 Watt ?
Der Amp hat echte 50 W sin Dauerton Leistung im Klasse A Betrieb die (im Gegensatz zu einem Halbleiteramp der >hart klippt< ) auch wirklich  „benutzt“ werden können, da der Amp darüber sehr weich klippt. Die gefühlte Leistung liegt bei etwa 200 Transistor-Watt.

Folgende Teile wurden verwendet:

Bauteil            Type                    Lieferant/Hersteller

Übertrager   Ü 150 UL 4xEL34    Welter
Netztrafo     HE NT 11/U                 Welter
Elkos           3x220yF/500V+1x470yF/450V    Welter       
Gehäuse    Edelstahl 2mm nach AUTOCAD Zeichnung lasergeschnitten, 90° gekantet, in den Ecken von innen verschweißt. Abmessungen     B=675 H=80 T=200
Masseverdrahtung  ilberdraht 1mm ; Conrad
Endröhren     EL34  JJ/Tesla oder TAD-STR
Vorröhren   6SN7GT  ; TAD oder RCA NOS
Koppel-C`s   Mundorf MCap oder Wima FKP1 Thel
Widerstände   1 Watt 1% MOX;Conrad
 bzw.  5 Watt 5% MOX; Thel
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Generell zu den Bauteilen:

-Verwenden Sie mögl. generell Widerstände >= 1 Watt, falls nicht anders vermerkt.
 Ich verwende bevorzugt 1W/1% Metalloxid von Conrad.
 Als HF Dämpfungswiderstände kann man auch 1/8 oder 1/4 Watt Typen einsetzen.
-Bypasskondensatoren für Elkos sollten WIMA FKP-1 Typen sein.
-Gute Koppel-C`s :  WIMA FKP-1; Mundorf M-Cap; TAD Mustard; Sprague orange
 drops, Vintage Öl/Papier (die sind leider ziemlich groß)
-Elkos mit hoher Strombelastbarkeit verwenden. (z.B. Schaltnetzteilelkos)
-Ich empfehle 6SN7 Röhren von TAD; speziell die 6SN7GT premium selected.
-Ich empfehle EL34-STR von TAD falls Sie den Amp für PA Zwecke nutzen und
 voll ausfahren.
-Für normale Anwendung sind andere EL34 auch o.k.

Gleichstromheizung für 6SN7:

Wenn Sie nicht ausschl. die neue TAD 6SN7 GT oder alte RCA 6SN7 GT verwenden, dann brummt die Endstufe ohne DC Heizung der Vorröhren. Daher ist die Endstufe mit DC Heizung für die 6SN7 ausgerüstet; somit können auch Sovtek o.ä. Fabrikate eingesetzt werden. Die gemessene Spannung bei der Kombination B40C3300/5000 mit 15000 yF und 2x 6SN7 beträgt 6,2 Volt. Größere Gleichrichter haben niedrigeren Innenwiderstand und erfordern dann
einen zusätzl. Vorwiderstand für die Heizung.

Gehäusematerial:

Edelstahlgehäuse aus 1.4301 oder 1.4571 sind nichtmagnetisch und leiten
somit die magnet. Feldlinien des Netztrafos nicht in Regionen weiter, wo sich die Vorstufe befindet.

Gehäuselayout:

Netztrafo und Übertrager sind weit voneinander entfernt und um 90° verdreht. Die empfindlichen Eingangsröhren sind weit vom Netztrafo entfernt. Ansonsten
ist die Anordnung klassisch-konservativ. Eine Kollegin hat mich mal gefragt ob ich meine Amps von Darth Vader oder Flash Gordon designen lasse. So schlimm find ich`s aber eigentlich nicht, oder ? Falls Sie den Amp in ein Gehäuse EINbauen möchten (Also Röhren im Gehäuse statt auf dem Chassis) bitte beachten Sie folgendes: Der Amp strahlt ca. 100 Watt an thermischer Verlustleistung ab. UNBEDINGT den Kamineffekt ausnutzen;
und vermeiden Sie brennbares Gehäusematerial.

Masseführung:

Nur die Cynchbuchse hat Verbindung mit dem Gehäuse und ist der zentrale Massepunkt. Alle Masseverbindungen gehen zu dem „Massebusdraht“; ein
1mm Silberdraht; ca. 100 mm lang, der an der Cynchbuchsenmasse angelötet ist.

Trafokerne:

Verwenden Sie Isolierscheiben und Isolierschlauch für die Befestigungsschrauben der Trafos. Welter Trafos haben das ab Fabrik. Trafokerne NICHT anschleifen-sonst unweigerlich starke Verschlechterung der Kerneigenschaften. Wer das nicht glaubt:
Messen Sie den Leerlaufstrom eines Wegwerf-Netztrafos. Schleifen Sie nun allseitig den Kern des Wegwerftrafos glatt. Messen Sie jetzt nochmals den Leerlaufstrom. (er geht um 10...25% hoch)
Warum ? ---> Wirbelstromverlust durch gegenseitig kurzgeschlossene Blechpaketlamellen.
Bilden Sie sich nunmehr Ihr eigenes Urteil über Trafos mit geschweißtem Kern....

Verwendete Lautsprecher:   

Selbstbau; JBL 2225H 15“ PA +ACR Mitteltonholzhorn mit Beyma Treiber
+Visaton TL16H HT-Horn.
       

Einige Spannungsmesspunkte in (V) gegen Masse
bei Trafospannung 320 V AC:

Gleichrichter                +425
Feinsiebelko Stufe 2    +300
Feinsiebelko Stufe 1    +260

Kathode Stufe 1                  +1,8
Anode Stufe 1                       +82
Kathode Stufe 2                   +85
Anode Stufe 2                      +211
Kathode Stufe 3                    +5,2
Anoden Stufe 3                     +164

Kathoden Endstufe EL34    +28,5

Anoden Endröhren +410



Arbeitspunkt der Endröhren:

0,061 A x (410 V – 28,5V) = 23 Watt Anodenverlustleistung. 25 Watt verträgt eine
EL 34 maximal.

Allgemeine Sicherheitshinweise:

Der Aufbau erfordert Fachkenntnisse im Bereich der Elektrotechnik, denn:
-Durch die hohen Spannungen besteht Lebensgefahr.
-Durch die hohe Wärmeemission besteht Brandgefahr.
-Falsch gepolte Elkos explodieren heftigst.
-Geladene Elkos sind auch im „AUS“ Zustand lebensgefährlich.

Ausserdem:

-NIEMALS einen Röhrenverstärker einschalten, wenn kein Lautsprecher angeschlossen ist.
-NIEMALS einen Röhrenverstärker einschalten, der nicht auf Zimmertemperatur ist.
-NIEMALS am Eingangscynchstecker rumfummeln solange der Amp eingeschaltet ist. Das könnte für den Lautsprecher tödlich enden.
-Keine Haftung für jegliche Schäden und Folgeschäden durch den Autor.

Viel Spaß beim Nachbauen wünscht

Jochen Wankmiller