Beschreibung VE 301


Beschreibung des VE 301 W Volksempfängers


Allgemeines und geschichtliches:

Der Volksempfänger VE 301 W war ein einfacher Rundfunkempfänger für AM-Empfang. Die Typenbezeichnung 301 bezog sich auf die Machtergreifung der NSDAP am 30.01.1933. Das W steht für Wechselstrom.

Er wurde als VE 301 W von 1933 bis 1937 gebaut. Bis Ende 1934 waren bereits 700.000 Stück verkauft worden. Dieses Gerät gab es auch für Gleichstrom- netzanschluss und als Batteriegerät.
Das Ziel war, möglichst viele Personen mit der "Propagandamaschinerie"zu erreichen und durch Berieselung mit entsprechendem Programm "Einzunorden" Das Gehäuse ist aus Bakelit gefertigt, das Chassis besteht aus Stahlblech.

Der Klang des Geräts war sehr mittenbetont, vornehmlich bedingt durch die einfache Konstruktion des Lautsprechers.
Die Empfangs-Empfindlichkeit ist recht hoch. Schaltungstechnisch handelt es sich um einen Geradeausempfänger mit manuell einstellbarer Mitkopplung. Hier ist wirklich nur drin was man unbedingt braucht, der Schaltplan und der Aufbau ist sehr übersichtlich und könnte aus einem Physik Lehrbuch entnommen sein. Diese Geräte waren stark auf Preis / Leistungsverhältnis optimiert.

Das Gerät wurde von vielen Radioherstellern gefertigt; daher auch der Name"Gemeinschaftsempfänger". Der Preis lag bei etwa 70 Reichsmark. Obwohl schon relativ billig, war das Gerät noch nicht billig genug. 1938 kam der DKE38 heraus, ohne Netztrafo, mit 2 Röhren, etwa halb so groß wie der VE 301, und ohne Stahlblechchassis.
Generell war es ab 1939 verboten, mit einem Radiogerät ausländische Sender zu hören. Das wurde, wenn es rauskam, mit sehr schweren Strafen belegt. Der politische Leiter der Ortsgruppe musste persönlich jeden Radiobesitzer aufsuchen, an einem Knopf des Geräts einen "Denke daran" Hinweiszettel befestigen, und den Besitzer darüber aufklären was Ihm droht wenn er z.B. BBC hört.

Antenne / Erde:

Um Empfang zu erzielen, musste man auf der linken Seite des Geräts an eine Buchsenleiste Erde und eine Langdrahtantenne anschließen. Für Empfang eines nahe gelegenen Senders genügen 3 meter Draht im Zimmer verlegt, für Fernempfang braucht man einige meter im Freien hoch verlegten Draht. Sehr lange, hoch verlegte Antennen waren damals reichlich verdächtig...

Bedienknöpfe:

Linker Knopf : MW/LW
Mittlerer Knopf: Frequenz   
Rechter Knopf: Mitkopplung.
Die Lautstärke konnte man über die Mitkopplung einstellen.

Technik:

Der Einkreis-Empfänger war mit drei Röhren bestückt:

Eine Gleichrichterröhre RGN 354

Eine Triode REN 904, für das Audion mit einstellbarer Mitkopplung (Die REN 904 wird mit 4 V indirekt beheizt.)

Eine direkt beheizte Endpentode RES164, für die NF Verstärkung
Die Kopplung der Endröhre wurde mittels eines kleinen Zwischenübertragers bewerkstelligt.
Die Endröhre arbeitet direkt auf einen hochohmigen Freischwinger-Lautsprecher mit Hufeisenmagnet. (Ohne Ausgangsübertrager) Die Anodenspannung beträgt 230 V.
Der Netztrafo liefert 250 Volt für die Anodenspannung sowie 4 Volt für die Heizung. Der Trafo war für damalige Verhältnisse ordentlich bemessen und arbeitete bei recht niedriger Betriebstemperatur.


Das Gerät enthält für die Siebung der Spannungen keine Elkos oder Einzelkondensatoren, sondern einen recht großen Aluminiumblock, in dem fünf einzelne Kondensatorwickel untergebracht sind. Diese bestehen aus Papier, Wachs und Alufolie. Der gesamte Block ist mit einer dünnen Teerschicht vergossen und als Deckel mit einer Pertinaxlötleiste versehen.
Dieser nunmehr 70-Jährige Kondensatorblock ist eine potentielle, nicht ungefährliche Störquelle. Bei einer Restauration sollte das Alugehäuse "entleert" werden, und die Innereien durch Festkondensatoren entsprechender Werte ersetzt werden. Die Werte sind unkritisch und können auch vergrößert werden.

Empfangstips heute:

Es gibt nicht mehr allzuviele Mittelwellensender. Ich bekomme mit folgender Anordnung im Großraum Münster sehr guten Empfang von DLF:

-Aussenantenne ca. 6m in der ganz linken Buchse.
-Erde (Heizkörper) an rechter Buchse
-Ferritstab 10cm lang in Spulenturm gesteckt
-Wellenschalter auf "K"
-Frequenz auf "25"
-Rückkopplung : keine. (Linksanschlag)
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Jochen Wankmiller 1/2009