Beschreibung

 AUDIOMASTER 11A, englischer Vintage Monoblock
(Das Original der Mullard 5-20 Endstufe)

Allgemeines:

Der Audiomaster 11A Monoblock der Firma E&A Ealing, London basiert 100% ig auf einem Schaltungsvorschlag, der ca. 1959 von der Fa. Mullard publiziert wurde.

Es handelt sich um einen Ultralinear Class A  PP Verstärker mit Gegenkopplung über alles. Was heißt 5-20 ?    5 Röhren, 20 W sin.

Vorstufe und Phasensplitter sind mit der abgeschirmten Pentode EF86 und der Doppeltriode ECC83 realisiert. In der Endstufe 2xEL34 in Class A Betrieb mit Autobias durch Kathodenwiderstände.

Der Verstärker erfordert keine Abgleicharbeiten oder Einstellarbeiten („Bias“). .

Dieses sehr seltene Originalgerät (ca. Baujahr 1960, nicht exakt verifizierbar)
rangierte damals qualitativ am obersten Ende der Skala, was HiFi Geräte betraf.

Es ist genau mit den von Mullard empfohlenen Bauteilen aufgebaut.
Auffällig sind die gepotteten PARTRIDGE Trafos und das PARTRIDGE Choke,
sowie die beiden graugrünen Öl-Papier-Siebkondensatoren 8 yF / 500 V zwischen den Trafos oben auf dem Chassis. Mir sind keine weiteren Amps aus dieser Zeit
bekannt die Öl/Papier Sieb-C`s haben; weder die McIntosh Amps noch die Quad noch die Radio Craftsmen 500.

Die Endstufe ist äußerst brummarm, was in Anbetracht der auf den ersten Blick
geringen Phi-Siebglied Kapazitäten erstaunlich ist.

Der Siebfaktor einer LC Siebung mit 8yF und 10 H beträgt:

s=2,5/(L*C) = 0,03         (L in Henry; C in yF)

Würde man denselben Siebfaktor mit einer RC Siebung erreichen wollen, dann
bräuchte man z.B. die Kombination 470 yF mit 100 Ohm; gemäß der Formel

s=1,6/(R*C)  =0,03        (R in kOhm; C in yF)

Hinweis: Genannte Formeln gelten nur für Vollwellengleichrichtung
 



Generell zu den Bauteilen in der Audiomaster:

Erneuerte Teile:

Die alten Elkos und Koppelkondensatoren wurden vorsichtshalber ersetzt,
da durchgeschlagene Koppelkondensatoren bzw. platzende Elkos üble Folgen
nach sich ziehen. Dabei wurden spannungsfestere Typen eingebaut.
Die beiden EL34 sind NOS AEG EL34, die GZ34 ist eine Sovtec.

Originalteile:

Ansonsten sind alle Teile original. Ich möchte einige Details besonders betonen:
Die Verkabelung und Montage der Bauteile ist meiner Ansicht nach ideal und vorbildlich für jede Röhrenendstufe. Die EF86 und ECC83 haben Sockel mit
Abschirmkappen. Die graugrünen Widerstände sind vom Aufbau her derart, dass Sie
mit einer wendelförmigen Kohleschicht versehen sind, was für die damalige Zeit
typisch ist. Diese Widerstände sind also NICHT induktionsfrei und wirken somit auf
sehr hohe Frequenzen stark dämpfend. Ein moderner Widerstand weist diese Eigenschaft im allgemeinen nicht auf. Das kann u.U. beim Nachbau einer Vintage Schaltung zu Problemen führen, welche die Ingenieure damals nicht vorhersehen konnten. (HF Schwingneigung, z.B. im UKW Bereich)

Generell schadet es bei Nachbauten nicht, die Gates und Anoden der Endröhren (Direkt an den Sockeln) mit HF Dämpfungsdrosseln auszurüsten, die es unter dieser Bezeichnung fertig zu kaufen gibt. (z.B. Conrad) Damit kann man Problemen dieser
Art von vorne herein begegnen.

Originalempfehlung Übertrager:

Mullard gab in der Druckschrift einige verschiedene Übertrager an, die für den
Verstärker verwendet werden können. Hier die Liste:
Colne 03069, Elden 486, Gardners AS7034, Gilson WO866, Hinchley 1377,
Parmeko P2647, Partridge P3878, Partridge P6878, Savage 4B14, Wynall W1552C

Gegenkopplung allgemein für Vintage Schaltungskonzepte mit neuen Ausgangsübertragern, falls der Amp oszilliert:

Das Thema „korrekter Wert der Gegenkopplung“ ist ein Problem das durch die Bank alle Vintage Amp Schaltpläne betrifft, da die modernen Ausgangsübertrager einfach in Ihren Werten sehr stark von den Vintage Übertragern abweichen. Nach folgender Vorgehensweise kann der Experimentator sich an den besten Wert herantasten:
Den Gegenkopplungswiderstand durch ein Poti ersetzen. Dieses wird im Betrieb vom
grösstmögl. Widerstand ganz langsam soweit runtergedreht, bis der Amp anfängt zu
oszillieren. ACHTUNG: Die Oszillation ist evtl. NICHT im hörbaren Bereich. Daher
am AÜ ein Digitalmultimeter anschließen; von der Anode einer Endröhre gegen Masse, Messbereich DC 1000 V. Es sollte immer ca. +Ub1 angezeigt werden.
Zeigt das DMM aber nur ständig wechselnde Anzeige oder Spannungen die mehr als
ca. 5 Volt von +Ub1 abweichen, dann oszilliert der Amp im HF Bereich !!!
Dass bei dieser Aktion ein Billigwegwerflautsprecher angeschlossen wird und NICHT z.B. ein Klangfilm KL406 oder eine Lowther Kobaltbombe versteht sich von selbst.
Wenn der Wert gefunden ist bei dem der Amp gerade noch nicht oszilliert
sucht man einen passenden Widerstand der einen Wert hat der etwa 20-30%
größer ist als der Messwert und lötet ihn rein. Fertig.

Diese Vorgehensweise ist eine Empfehlung aus „HiFi World DIY supplement“, 14.Aug1995.


Die selbe Vorgehensweise wird auch von den Mullard Ingenieuren vorgeschlagen;
im Buch „Mullard Tube circuits“ Seite 27 rechts unten; “if radio frequency instability occurs...experiment with the level of feedback..”

Gehäuselayout:

Das Layout des Originalgehäuses ist als PDF verfügbar.
Ich habe das Original vermessen und abgezeichnet.
Der Amp strahlt ca. 50 Watt an thermischer Verlustleistung ab.
UNBEDINGT den Kamineffekt ausnutzen wenn man eigene Gehäuse plant.



Klang:

Der Klang der Endstufe im Vergleich zu mit modernen Teilen
aufgebauten Röhrenamps ist relativ weich und emotionsgeladen; er birgt ein
gewisses Suchtpotential.
Ich suche seit über 10 Jahren nach einem zweiten Monoblock
oder den Originaltrafos; nix zu machen-versuchen Sie`s lieber erst gar nicht.
Wer den Amp klonen möchte, muss auf andere Übertrager zurückgreifen.

Einige Spannungsmesspunkte in (V) gegen Masse
bei Trafospannung 410-0-410

Ölkond 1        +465
Ölkond 2        +440
Feinsiebelko Phasenspl.    +410
Feinsiebelko Stufe 1    +160

Anode EF86        +82,5
Kathode EF86        +2,2
Anoden ECC83        +325
Kathode ECC83        +85
Anoden EL 34        +433
Kathoden Endstufe EL34    +32

Allgemeine Sicherheitshinweise:

Der Aufbau/Nachbau erfordert Fachkenntnisse im Bereich der Elektrotechnik, denn:
-Durch die hohen Spannungen besteht Lebensgefahr.
-Durch die hohe Wärmeemission besteht Brandgefahr.
-Falsch gepolte Elkos explodieren heftigst.
-Geladene Elkos sind auch im „AUS“ Zustand lebensgefährlich.
-Vintage Öl/Papier caps enthalten oft PCB welches krebserregend ist.
 Wenn so ein Ding ausläuft ist das eher schlecht.

Ausserdem:

-NIEMALS einen Röhrenverstärker einschalten, wenn kein
 Lautsprecher angeschlossen ist.
-NIEMALS einen Röhrenverstärker einschalten, der nicht auf
 Zimmertemperatur ist.
-NIEMALS am Eingangscynchstecker rumfummeln solange der Amp
 eingeschaltet ist. Das könnte für den Lautsprecher tödlich enden.
-Keine Haftung für jegliche Schäden und Folgeschäden durch den Autor.

Viel Spaß beim Nachbauen, Restaurieren, Probieren wünscht....

Jochen Wankmiller   wankmiller440@aol.com