Beschreibung 551 WU

SACHSENWERK OLYMPIA 551 WU

TECHNIK DES GERÄTS:

8-Röhren-Superhetempfänger ; Baujahr ca. 1956-1957

Röhrenbestückung:

ECC 81

ECC 85

ECH 81

EF 89

EABC 80

EL 84

EM 11

EZ80

Lautsprecher:

Der mittlere große Lautsprecher hat keinen Permanentmagneten sondern eine Feldspule. Diese Feldspule stellt gleichzeitig die Induktivität der C-L-C Siebkette des Netzteils dar.

Dieses sehr schön gemachte alte Schätzchen gab laut Aussage des Besitzers , Herrn Reinhart Kremtz, fast nichts mehr von sich, als ich es auf den OP-Tisch bekam und benötigte dringend Rundumservice. Auf Grund der ersten Sichtprüfung habe ich das Gerät nicht im Originalzustand eingeschaltet; das erschien mir zu riskant-ein platzender Kondensator kann viele weitere Bauteile mit ins Verderben stürzen.

Nach einem Tip aus Jogis Röhrenbude (danke !) habe ich mir den Schaltplan KR2147 bei www.raupenhaus.de runtergeladen. (eine echte Super-Seite.)

SICHTPRÜFUNG UND ERSTE DIAGNOSE:

Etwa die Hälfte Glasröhrchen-Kondensatoren (Papierkondensatoren im Glasröhrchen, beidseitig mit Teer verstöpselt) waren in SEHR marodem Zustand, dass ich beschloss alle auszutauschen. Das sind im Schaltplan C56 bis C65.

Hinzu kam noch ein defekter Elko und ein stark korrodierter Sicherungshalter.

Dann wurden sämtliche Röhren gezogen und die Sockelstifte gereinigt und anschließend mit Liqui Moly Electronic Spray Art.-Nr. 3110 eingepinselt. (Das beste Desoxidationsmittel das ich kenne). Das Skalentriebseil hatte keine Vorspannung mehr und musste um 5mm gekürzt werden.

EINSCHALTEN UND MESSEN:

Danach wurde das Radio über einen Trenntrafo und eine vorgeschaltete 60 W Glühbirne ans Netz gelegt. Wenn ein Röhrengerät lange Zeit nicht mehr eingeschaltet war, dann leuchtet die 60 W Birne zunächst hell auf, und wird dann langsam dunkler. So können sich insbesondere Heizfäden der Röhren und Elkos wieder an Spannung "gewöhnen".

Nach einer Minute die ersten Klänge; aber ziemlich verzerrt. Für Diagnose habe ich in den TA Eingang des Radios  ein NF Sinussignal eingespeist und den Ausgang mit dem Oszi verbunden.

Die Ursache für die Verzerrungen war ein Feinschluss in einem Styroflexcap des "Kuhschwanzklangreglers". Nach dessen Ersatz überträgt das Gerät den Sinus wieder perfekt (siehe Foto mit dem Oszi im Hintergrund) und der Klang ist wieder voll da.

                >>> ES GROOVT WIEDER <<<

 Mit "voll da" meine ich auch voll da: Wenn man dieses Radio neben eine dieser Elektronikgrosshandelsketten-Plastikkisten stellt und denselben Sender einstellt so sieht das "moderne" Gerät aus Fernost gegenüber einem solchen handwerklichen Meisterwerk e x t r e m alt aus. Vorführen dieses Unterschieds in meinem Bekanntenkreis führt regelmäßig zu erstauntem baffsein, besonders bei Leuten unter 25.

Viel Spass beim Hören mit Röhren wünscht...

 Jochen Wankmiller